Landwirtschaftsschulen Segeberg und Rendsburg zum bi-nationalen Austausch an der europäischen Akademie Otzenhausen im Saarland

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Mitte November ging es für insgesamt 30 Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftsschulen Rendsburg und Bad Segeberg zur Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO) nahe Saarbrücken, um sich hier mit einer Schülergruppe aus Frankreich über Themen der Nachhaltigkeit und der EU-Agrarpolitik auszutauschen. Die nervenaufreibende Bahnfahrt wurde genutzt, um sich mit weiteren Landwirtschaftsschüler*innen aus Hannover auf die Themen der aktuellen Agrarpolitik und künftige Herausforderungen für die jungen Landwirte einzustimmen.

Durch die fünf Seminartage führte uns ein Team der Bildungsakademie von kompetenten Moderatoren und Dolmetscherinnen. Zu Beginn fand ein buntes Kennenlernen unter uns Schülern und den unterschiedlichen Kulturen statt. Um einen besseren Einblick in die Besonderheiten der Landwirtschaft im Nachbarland zu erhalten, stellten wir zum Auftakt unsere landwirtschaftlichen Betriebe und Naturräume vor. Trotz einer gemeinsamen europäischen Agrarpolitik, sind die Unterschiede zwischen der Landwirtschaft in Frankreich und Deutschland teilweise erheblich.  Anschließend präsentierten wir uns gegenseitig die Bildungssysteme unserer Heimatländer, deren Unterschiede an einigen Stellen auch kritisch hinterfragt wurden.

Mitte der Woche machten wir eine Exkursion zur Schule der französischen Schülerinnen und Schüler und erhielten dort weitere Einblicke in die landwirtschaftliche Ausbildung. Außerdem lernten wir in Frankreich einen landwirtschaftlichen Milchvieh-/Ackerbaubetrieb kennen, der sich mit der Wissensvermittlung für Schüler allgemeinbildender Schulen ein zweites Standbein aufgebaut hat. Auf einem Ökobetrieb in Contwig/Deutschland wurde uns vom Betriebsleiter Herrn Nafziger das Konzept der solidarischen Landwirtschaft (SoLawi) vorgestellt. Durch einen jährlichen Mitgliedsbetrag ermöglichen die Mitglieder der SoLawi die Produktion und Verarbeitung der Lebensmittel sowie ein sicheres Einkommen für die Landwirtinnen. Inzwischen gibt es dieses Konzept auf mehr als 250 Höfen in Deutschland. Am Abend erzählte uns der Winzer Hr. Thelen bei einer Weinprobe, wie er sein Weingut angesichts veränderter Kundenwünsche und neuer klimatischer Herausforderungen, zukunftsfähig ausrichten möchte. Aufgrund der gestiegenen Zahl an Extremtemperaturtagen, steht der Weinbau als Dauerkultur vor besonderen Herausforderungen.

Den Abschluss einer ereignisreichen Woche bildete ein politisches Planspiel, in dem wir Seminarteilnehmer die politischen Verhandlungen das Europäische Parlament nachempfinden konnten. Alle Teilnehmer wurden auf die verschiedenen Fraktionen des EU-Parlaments aufgeteilt. Die Herausforderung bestand darin, in die jeweilige „Rolle“ als Mitglied einer Fraktion zu schlüpfen. Zur Diskussion stand die Frage, wie hoch der Anteil an ökologisch bewirtschafteter Fläche bis 2030 in der EU sein soll. Nach einer Beratungsphase in den einzelnen Fraktionen führten wir sehr angeregte und kontroverse Diskussionen über unsere teilweise stark voneinander abweichenden Parteiprogramme bzw. Positionen. Zum Abschluss der Verhandlungen und Diskussion stimmten die Fraktionen über eine Beschlussvorlage der EU-Kommission ab. Die Entwicklung von Fähigkeiten zur Kompromissfindung ohne die eigene Zielvorstellung aus dem Auge zu verlieren, war Ziel dieser Interessanten Planspieleinheit.

Vor der Heimreise am Freitag referierte die Kommunikationsstrategin Dr. Brunner zur Fragestellung, wie die Kommunikation zwischen Landwirtinnen und Verbraucherinnen optimiert werden kann. Digitale Formate sind hier sicherlich ein Schlüsselelement für eine zukunftsfähige Kommunikationsstrategie. Nach einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns von der Akademie. Neben den neu gelernten fachlichen Aspekten wird uns der gemeinsame Austausch mit den anderen Schülern in sehr guter Erinnerung bleiben.

Autoren

Johanna Jessen und Hauke Harder BBZ NOK in Rendsburg, Sven Jantzen BBZ Bad Segeberg

Planspiel zur Europäischen Agrarpolitik „Green Deal“
Ökolandbaubetrieb in Contwig mit „Solidarischer Landwirtschaft“ und Gemüsebau
Besuch eines Winzerbetriebs in Trier mit anschließender Weinprobe

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